Vor ziemlich genau 30 Jahren erschien das Debut von Jamiroquai. Darauf vereinigte die Band aus London bekannte Einflüsse aus Soul, Jazz und Funk, erschuf aber durch ungeahnte Kombinationsmöglichkeiten mit Reggae, Latin, dem Didgeridoo und einem ehrlichen Interesse an Native Americans ihr ganz eigenes Genre. Der Titel „Emergency on Planet Earth“ lässt erahnen, wie zeitlos dringlich das Werk ist, es hätte auch in den 70er Jahren oder 2023 erscheinen können – und wäre genauso gefeiert worden. Danach driften Jamiroquai im besten Sinne ab ins Weltall, mit dem chilligen „Space Cowboy“, dem discoiden „Cosmic Girl“ und dem extraterrestrischen Synthie-Funk von „A Funk Odyssey“ und „Automaton“ – immer begleitet von einer stilsicheren Optik in deren Mittelpunkt das Logo der Band, der Buffalo Man, leicht windschief steht. Sänger Jay Kay ist die Vorlage für diesen Buffalo Man und heute, als einziges festes Bandmitglied, ist Jay Kay auch Jamiroquai – wohingegen man vorher jahrzehntelang zwischen Bandname und Sänger unterscheiden musste. Er erzählt uns in #077Jamiroquai von wichtigen Momenten in der Bandgeschichte. Als Gast mit dabei: Laura Pöss, Freundin unseres Podcasts und Musikjournalistin fürs Radio, großer Fan von Jamiroquai und insbesondere Jay Kays Dance Moves.
#076 Grönemeyer
Herbert Grönemeyer ist einer der größten Dichter und Denker unseres Landes der vergangenen vier Jahrzehnte und hat sich dabei immer den Drive eines aufgeregten Teenagers bewahrt, wenn er sich an ein neues Album setzt oder auf die Bühne tritt. So geschehen in diesen Tagen, im März kam sein neues Album „Das ist los“, seit kurzem macht er damit die Arenen unsicher. Mit seiner Stimme, seinem Charme, seiner Band und vor allem diesen unsterblichen Klassikern, in denen er die wesentlichen Dinge des Lebens unwiderstehlich eingängig aufbereitet hat: „Männer“, „Alkohol“, „Chaos“ und „Bochum“, um nur einige zu nennen. Es ist seine innerste Gefühlswelt, an der der „Mensch“ Grönemeyer uns teilhaben und mitfühlen lässt, bei Freude und Verlust, Enden und Neuanfängen, das macht ihn so beliebt. Was für ein „Stück vom Himmel“, in der neuen Folge darüber mit Kollegin Christiane Falk sprechen zu dürfen. Sie hört Herbert Grönemeyer seit ihren Kindheitstagen und hat ihn in ihrer Karriere als Musikjournalistin beim SWR, WDR und jetzt RBB schon mehrfach interviewt. Alles nachzuhören in #076HerbertGrönemeyer
#075 Max Herre
Herrezlichen Glückwunsch Lieber Max! Zum 50. gibt’s unsere 75. - also gleich doppelt Grund zu feiern. Freundeskreis, „A-N-N-A“, Joy Denalane, KaHeDi, die Kolchose und die FK Allstars sind schon eingeladen in diese Podcast-Folge. Max Herre höchstpersönlich erzählt uns in Interviews von seiner Reise vom Live-Band-Musiker zum Rapper und wieder zurück. Wie er in jungen Jahren Jimi Hendrix, Kurtis Blow und Udo Lindenberg für sich entdeckte und dann, inspiriert von De La Soul und A Tribe Called Quest, selbst als MC angefangen hat. All dies spiegelt sich auch in umgekehrter Reihenfolge in seiner Musik wider, von seiner Arbeit als Teil der Hip-Hop-Urgesteine Freundeskreis und solo über die deutsche Folk-Platte „Ein Geschenkter Tag“ bis zuletzt zum psychedelischen „Athen“. Stereo.Typ Tilmann Köllner kommt für diese Episode mit leichtem Fanboy-Feeling zurück aus der Pause. Er und Marc haben Max Herre über die Jahre mehrfach gesprochen und seine musikalischen Richtungswechsel aus erster Hand miterleben können. All dies jetzt in #075MaxHerre, überall wo es Podcasts gibt.
#074 Massive Attack
Denkt man an die Musik der 90er Jahre, fällt einem Grunge ein, Eurodance, BritPop oder Techno – aber kein Genre von damals ist so gut gealtert wie Trip Hop. Weil er einfach zeitlos ist. Massive Attack haben Trip Hop erfunden. Mit Funk-Samples, Hip-Hop-Beats, cineastischen Streichern, dem Vibe des Dub und der Psychedelik von Prog. Entstanden aus einem breitem Fundus an musikalischen Interessen an einem Ort, der seit jeher als Schmelztiegel britischer und karibischer Kultur gilt: der englischen Hafenstadt Bristol. Dort fand sich schon Anfang der 80er ein Sound-System-Kollektiv zusammen, aus dem später 3D, Daddy G, Mushroom und Tricky die Band Massive Attack formen sollten. Mit „Unfinished Sympathy“ gelang ihnen ein unendliches Meisterstück, mit „Protection“ ein sensibles Statement und mit „Mezzanine“ ein Album für die Ewigkeit, das Babies und Angels singen lässt. Es wird in diesen Tagen 25 Jahre alt, für #074MassiveAttack blicken Kollege Frido Menzel und ich zurück. Aus der Zeit erzählen Daddy G, Tricky und Martina Topley-Bird.
#073 P!nk
P!nk ist auch ohne Ausrufezeichen ein Statement von einem Pop-Star. Jemand, der einfach so sehr da ist, dass man ihr nicht entkommt und dabei so authentisch, rebellisch und talentiert, dass man sie einfach feiern muss dafür. Und natürlich auch für ihre pinke Armada an Welthits, die man – einmal im Kopf – nie wieder vergisst, so viele geniale Melodien, so viel Rauch in der Stimme: „So What“, „Raise Your Glass“ und „U + Ur Hand“ pogen einen um, „Family Portrait“, Dear Mr.President“ und „Who Knew“ berühren die Seele. In Episode #073 schauen wir auf das neue Album „Trustfall“ – und viel zurück auf ihre Karriere und ihr Leben. P!nk erzählt persönlich von ihrem verstorbenen Vater, dem Vietnam-Veteran, von ihrem Mann Carey Hart, von Linda Perry, George W. Bush, Britney Spears und ihrem Teenager-Ich. Als absolute P!nk-Expertin zu Gast ist die liebe Kollegin Conni Wonigeit.
#072 Deichkind
„Wie heißt die Band, die die Party rockt? Deichkind.“ postulierten die Männer aus dem Norden schon auf ihrem Track „Komm Schon“, als sie noch Hip Hop Marke Hamburger Old School machten. Eine weise Prophezeiung, denn wenige Jahre später sollte der „Remmidemmi“ richtig los gehen mit Anarcho-Pop aus griffigen Slogans und derben Electro-Beats, live in epileptisch-epische Neonlicht-Bombastshows verwandelt. „Kindergeburtstag für Erwachsene“ nennt das das Feuilleton, der Deichkind seit jeher abfeiert, „Großkotzige Kleinkunst“ sagt Deichkind Sebastian „Porky“ Dürre gerne und zeigt damit ein weiteres wichtiges Markenzeichen der Band: die Selbstironie. Die durchzieht die collagenartigen Texte, die den Zeigefinger nie erheben, sondern immer nur auf die absurden Dinge des täglichen Lebens richten. Deichkind halten uns den Spiegel vor und liefern uns Floskeln wie „Leider Geil“, „Arbeit nervt“ oder „Kids in meinem Alter“, letztere vom heute erscheinenden 8. Album „Neues vom Dauerzustand“. Zu Gast ist diesmal ein echtes Kind vom Deich, Fela Krauti aka Keno Mescher aus Ostfriesland, von der Band hören wir Porky, Kryptik Joe, Ferris MC, Malte Pittner und Buddy Buxbaum.
#071 Vampire Weekend
Vampire Weekend sind der Inbegriff der weltoffenen New Yorker Band. Sie haben von der Columbia University aus Ende der Nullerjahre mit Verneigung vor den Talking Heads einen einzigartigen Sound kreiert, indem sie westlichen Indie mit westafrikanischer Musik gemischt haben. Damit haben sie vor jetzt genau 15 Jahren mit ihrem Debut schon das gemacht, was heute viele großen Stars des Pop und Hip Hop machen: nach Afrika schauen – aber immer mit einem ehrlichen Interesse und kritischer Hinterfragung des Standings der Ex-Kolonialmächte in der heutigen Zeit. Sänger und Songschreiber Ezra Koenig ist New Yorks Lieblings-Hipster-Kid, nebenbei auch Radiomoderator, Manga-Anime-Serien-Produzent, Gaststar in der Erfolgs-Coming-of-Age-Serie „Girls“, Mitproduzent des letzten Beyoncé-Albums und Partner von Quincy-Jones-Tochter Rashida. König Ezra persönlich erzählt uns von seinem Leben und seinen Liedern, die so wunderbar verspielt und vielseitig, melancholisch und doch positiv sind, auch wenn es darin um Interpunktion, Architektur oder Erfrischungsgetränke geht. Diese Episode markiert eine Zeitenwende bei Stereo.Typen. Das erste Mal ohne Tilmann Köllner. Dafür mit einem Gast, der diese Band schätzt und liebt. Herzlich Willkommen: Philipp Kressmann!
#070 Catch 22
Das Jahr mit den Zweien neigt sich dem Ende – ein zweischneidiges Jahr mit zwei Gesichtern, und mindestens zweierlei Seiten und Perspektiven: Wirklichkeit und Wunschdenken, Härte und Hoffnung, Auf- und Umbruch. Einerseits eingeschränkte Erleichterung nach der Corona-Pandemie, aber auch extreme Ernüchterung über die Folgen. Erschütterung durch den schrecklichen Angriffskrieg von Russland gegen die Ukraine, Entsetzen über das menschenverachtende anti-freiheitliche System im Iran und auf der anderen Seite grenzenlose Empathie und Solidarität gegenüber den Leidtragenden und Geschädigten. Dazu Inflation und Klimawandel, mentaler Struggle und Zukunftsangst. All dies ist Kulisse und Nährboden für die beste Musik des Jahres – das natur-psychedelische „Wilderness of Mirrors“ von The Black Angels, OG Keemos düster-dokumentarisches „Mann beißt Hund“, „No Thank You“ von Little Simz als zynisch dankend ablehnende Metapher oder Kendrick Lamars sensibler, sensationeller Seelenstriptease auf „Mr. Morale & The Big Steppers“. Die größten Melancholiker waren die Arctic Monkeys unter dem „Mirrorball“, Phoenix in ihrem lakonisch-lamentierenden „Winter Solstice“, Beach House in ihrem Dream-Pop-Fantasy-Epos „Once Twice Melody“ und Harry Styles, der inzwischen 1,5 Milliarden Mal bei Spotify gesungen hat, dass nichts so bleibt, „As It Was“. Als Kontrast dazu dienen die feucht-fröhlichen Hymnen von Nina Chuba und Wet Leg, die bunte Zukunftsmalerei von Peter Fox und schwitzige House-Nostalgie von Beyoncé. Es gab viel Soul und Synthesizer, aber auch Shoegaze und Surf-Rock – schließlich ist Marc Mühlenbrock mit an Bord. Hört seine und Tilmann Köllners Highlights des Jahres – und natürlich, wie sich das für Stereo.Typen gehört, auch die Menschen hinter den Songs und Platten höchstpersönlich, in #070Catch22 – jetzt für euren Jahresausklang überall, wo es Podcasts gibt.
#069 Nicki Minaj
Wir feiern heute schon „Pink Friday“, denn Nicki Minaj wird 40 – Happy Birthday! Dresscode: Pink, na klar. Neben Lippenstift und Perücke ist es vor allem ihre Persönlichkeit, die Nicki Minaj so farbenfroh bezeichnet. Sie nahm die einstige „Mädchenfarbe“ und malte damit ihre Kunstpersona: einen toughen Rap-Star mit viel Self Empowerment, Sex Appeal und Stilempfinden. Und natürlich mit nie vorher da gewesenen Skills. Sie wird zurecht als Queen of Rap gefeiert, denn keine andere Frau hat das „Game“ je so dominiert wie Nicki Minaj, noch nicht mal ihr großes Vorbild Foxy Brown. Ihre ausgefeilte Technik, ihre samtige Stimme, ihr variantenreicher Flow von mellow bis Maschinengewehr und ihr schauspielerisches Talent, das sie beweist, wenn sie mit ihren Alter Egos rappt, einem britischen Cockney oder einer japanischen Barbie. Eminem, David Guetta, Madonna und unzählige Songpartner mehr feiern sie dafür. Wir haben kein Alter Ego, sondern die „echte“ Nicki Minaj gesprochen, sie erzählt in Episode #069NickiMinaj höchstpersönlich von ihrem Weg aus der Hood zur Hip-Hop-Hohepriesterin.
#068 Rage Against The Machine
Das legendäre Debut-Album von Rage Against The Machine feiert in diesen Tagen 30. Geburtstag – Tom Morello sagt in unserer neusten Episode darüber, er fühle sich geehrt, dass die Songs daraus immer noch gespielt werden, wenn Menschen auf den Straßen rebellieren – was sie seit einiger Zeit mehr denn je tun. An einer dieser Straßen im Großraum L.A., einer Weggabelung von Heavy Metal und Hip Hop, haben Rage Against The Machine Anfang der 90er den Crossover ausgegraben. Während das Genre wenige Jahre später schon angestaubt klang, sind die „Bombtracks“ von Rage Against The Machine zeitlos. Weil sie von Anfang an Punk, Funk und Folk mit in ihre Musik reingebracht haben. Weil Sänger Zack de la Rocha sich authentisch eingängige politische Slogans von der Seele schreibt und schreit. Weil Tom Morello Sounds mit seiner Gitarre erzeugt, wie noch nie jemand zuvor, wenn er sie klingen lässt wie das Ende des Sendersuchlaufs im „Guerilla Radio“. Und dann ist da noch seine ganze Armada an genialen Riffs, oft sind es mehrere pro Song, die er gegen das „Evil Empire“ in den Kampf schickt. Auch „Killing In The Name“ hat allein drei. Einst eine Hymne des Underground gegen die da oben, heute ein Welthit, zu dem auch bei Hochzeiten um 4 Uhr morgens mit Krawatte um die Stirn gepogt wird. Wie dieser Song, die Band, ihre Rebellion und Toms Riffs entstanden sind – das erzählt uns Mr. Morello himself in #068RageAgainstTheMachine. Jetzt überall, wo es Podcasts gibt.