Eine düstere Zukunftsprognose hat das Duo Zager & Evans der Menschheit da 1969 gegeben in seinem einzigen Hit „In The Year 2525“: Ausrottung der Tiere, Nahrung in Pillenform, der Mensch wird durch Technologie ersetzt – der Song war ein Spiegelbild der Hippie Ära. In den besten Songs des Stereo.Typen-Jahresrückblicks 2025 geht es um innere Ängste in „Spiders“-Form, einen Seelen-„Striptease“ und die Verarbeitung eines Heartbreaks in einem dichten „Berghain“ der Gefühle – was vielleicht einiges über unsere Zeit aussagt. Wobei die Hippie-Prognosen auch zutreffen: In der Musikszene wird der Mensch gerade nach und nach durch künstliche Intelligenz ersetzt. Die Artists kriegen dadurch weniger, obwohl die KI einst mit ihren Songs gefüttert wurde, von einem Kuchen, den Spotify und die großen Labels eh schon weitestgehend unter sich aufteilen. Trotz allen Alarmschlagens der betroffenen Künstler, Künstlerinnen und Bands – Existenzen und der Soundtrack unseres Lebens sind in Gefahr! Wir können helfen, unsere Lieblingskünstler zu unterstützen, schon durch ein Konzertticket, ein T-Shirt oder eine Vinyl. Von dem Soundtrack ihres Jahres erzählen in #ST115InTheYear25,25 Negisa Blumenstein, Laura Pöss, Tilmann Köllner und Marc Mühlenbrock. Wir entdecken mit Betterov „Große Kunst“, mit Bon Iver die dunklen und bunten Seiten des Lebens, gehen mit My Morning Jacket und Ethel Cain in die US-Südstaaten – einmal mit 70s Soul Rock, einmal mit Gothic Drone Indie. Dies ist die letzte Episode von Stereo.Typen. Es war uns eine Freude und eine Ehre, für Euch und für uns diesen Podcast zu machen. Vielen Dank fürs Zuhören, für die Treue und Unterstützung über all die Jahre. Frohe Weihnachten und alles alles Gute für die Zukunft!
#114 The Beatles
Zum Fast-Finale unserer Reihe schauen wir zurück auf die Band, mit der das, was wir Pop nennen, überhaupt mal angefangen hat. John, Paul, George und Ringo haben aus ihrer Liebe zur schwarzen Musik, traditioneller britischer Songschreiberkunst, ganz viel Talent, Lässigkeit und Mut zur Innovation ihr eigenes Ding namens Beatles gemacht. Ihre Melodien sind manchmal genial einfach wie Kinderlieder, auf der anderen Seite ihre Errungenschaften in Songwriting und Studio-Arbeit doch so experimentell und bahnbrechend. Sie sind heute noch weltweit die Nummer 1, mit zwischen einer halben und ganzen Milliarde verkaufter Platten die erfolgreichste Band aller Zeiten – obwohl es sie nur 10 Jahre lang gab. Ihre Lieder wehen durch Hochzeitsfeiern, Indie-Clubs, Fußballstadien, Kaufhausradios und Grundschulen. The Beatles sind so allgegenwärtig, dass sich diese Zeilen hier zu schreiben absolut lächerlich anfühlt – weil das sowieso jeder weiß. Beatles-Fan und Journalisten-Kollege Johannes Paetzold und Marc Mühlenbrock aus der Stereo.Typen-Crew haben trotzdem versucht, die einmalige Karriere der Fab Four nachzuerzählen. Und sind in Sachen Vollständigkeit sicherlich kläglich gescheitert. Aber #114TheBeatles ist sehr reich an persönlichen Geschichten und Erinnerungen. Auch derer von John Lennon, Paul McCartney und Ringo Starr, die allesamt zu Wort kommen.
#113 Patti Smith
Patti Smith gilt als Patin des Punk. Ein ehrenvoller Titel, aber sie ist sogar noch viel mehr als das. Ihre Songs sind episch, die Stimmung mystisch, ihre Texte inspiriert von französischen Lyrikern des 19. Jahrhunderts. Aber ihre Einstellung war eben Punk – z.B. aus der Kleinstadt nach New York zu gehen und „es“ einfach zu machen. Dabei schien die große Zeit von New York da eigentlich gerade vorbei. In den 50ern hatten erst die Beat-Poeten Allen Ginsberg und William S. Burroughs das Village besiedelt, in den 60ern dann Folkmusiker Bob Dylan. Als Patti Smith Ende der 60er, Anfang der 70er nach Manhattan kam, atmete sie den Geist dieser Ären ein und machte daraus etwas Neues, Eigenes. Sie vermischte Blues und Rock, Lyrik und den Freigeist des Jazz mit ihrer eigenen androgynen Aufmüpfigkeit. „Jesus died for somebody else’s sins but not mine“ – was für ein Orkan von einer Aussage auf dem Feld des gottesfürchtigen Amerika, mit dem sie ihr Debüt-Album „Horses“ eröffnete, das dieser Tage 50 Jahre alt wird. Auch in diesem Monat erschienen sind ihre neusten, bisher umfassendsten Memoiren „Bread of Angels“. Patti Smith erinnert sich darin an ihre ärmliche, aber schöne Kindheit in Philadelphia, ihre New Yorker Zeit, ihr Leben als Mutter und Ehefrau von Fred „Sonic“ Smith, ihre tragischen Verluste und den Weg zurück auf die Bühne. Über all das sprechen Musikerin und Musikjournalisten-Kollegin Negisa Blumenstein und Stereo.Typ Marc Mühlenbrock in Episode #113PattiSmith. Die Patin selbst kommt auch in Interview-Ausschnitten zu Wort.
#112 The Lemonheads
Heute bringen The Lemonheads ihr 11. Studioalbum „Love Chant“ heraus – und es ist sehr sehr gut geworden! Mit dem Release hätte wohl kaum jemand gerechnet, wahrscheinlich noch nicht mal Bandchef Evan Dando selbst. Es war einfach zu viel Zeit vergangen nach dem letzten regulären Studio-Album mit eigenen Songs, beinah 20 Jahre, in dem man kaum etwas über Releases von Dando hörte, allenfalls von seinen Drogeneskapaden und Konzerten, die zwischen berührend schön und beschämend schlecht beschrieben wurden. Dabei war er in den 90ern das Gesicht des Indie Rock – im wahrsten Sinn des Wortes. Durch sein gutes Aussehen wurde Evan Dando zum Posterboy der Generation X, er verkehrte mit Celebritys wie Johnny Depp, Kate Moss oder Keith Richards. Der große Erfolg war 1992 per Cover gekommen. Bis heute hassliebt Dando die spontan eingespielte Version von „Mrs Robinson“, denn sie brachte viel Erfolg und Aufmerksamkeit, aber spülte die Kredibilität der Lemonheads auch die Gosse runter. Dabei war die Band immer so viel mehr: anfangs eine wilde Punk-Kombo aus der Bostoner Underground-Szene, später eine gefühlvolle Indie-Band mit beatlesken Melodien für die Ewigkeit, mit Evans warmer und einfühlsamer Stimme und ganz ganz viel Melancholie. Musik zum Verlieben. „It’s About Time“, dass bei Stereo.Typen mal The Lemonheads geehrt werden. Zusammen mit Achim Launert, Fan (fast) der ersten Stunde. Evan Dando selbst erzählt von seinem Weg von Bostons No.1 Punk-Club Channel ins Chateau Marmont in Hollywood und von da aus in die Abwesenheit. Fast parallel zum neuen Album legte er Anfang des Monats seine Memoiren „Rumours of My Demise“ vor, über die wir auch sprechen in #112TheLemonheads – jetzt beim Obsthändler Eures Vertrauens.
#111 Sting & The Sound of The Police
Happy Birthday Sting! 74 wird Gordon Matthew Thomas Sumner heute und wir wollen ihn ehren mit einer Episode über seine größten Errungenschaften – solo und mit The Police. Die heute zerstrittene Band hat sich unbestritten in den Pop-Olymp gespielt. Ende der 70er, als Punk und New Wave auf dem Vormarsch waren und die Mauern der Musik-Elite einrissen, machten The Police daraus ihr ganz eigenes Ding: Sie vermischten beides mit Reggae und Global Music und landeten so relativ bald im Mainstream Radio. Zu eingängig waren einfach die Songs von Sting: „So Lonely“, „Roxanne“, „Message in a Bottle“, „Every Breath You Take“ – letzterer gilt sogar als der meistgespielte Song im Radio aller Zeiten. Nach der Trennung Mitte der 80er machte Sting solo weiter und lieferte neue Hits für die Ewigkeit. „Englishman in New York“, „Shape of My Heart“ und „Fields of Gold“ sind Klassiker, wenn auch weniger kantig als das Bandmaterial. Im neuen Jahrtausend hat er sich musikalisch noch weiter aufgestellt – von Raï bis Renaissance über Reggae mit Shaggy – und sich dabei häufig verzettelt. Ihn selber scheint dies überhaupt nicht zu stören, Sting bleibt auf seiner Mission, die Musik der Welt zu erfahren. Zu Gast ist wieder Thorsten Sutter, Musikjourno-Kollege und The-Police-Fan, der zudem mal die Ehre hatte, Sting interviewen zu dürfen. Sting erzählt von seinen musikalischen Anfängen, von seiner Zeit bei The Police, seiner Solo-Karriere und seinem Verständnis von Musik als universale Sprache.
#110 Suede
Es ist das große Jahr des BritPop-Comebacks: Oasis wieder auf Tour, Pulp wieder da und Suede nun auch mit neuem Album. In der internen ewigen BritPop-Erfolgsrangliste belegt die Band um Brett Anderson hinter den beiden anderen genannten und Blur nur den undankbaren vierten Platz. Dabei haben Suede BritPop einst erfunden, wählten einen rohen Gitarrensound und interpretierten den Glam Rock der 70er Jahre auf ihre gritty Art neu, als der Rest der Musikszene Großbritanniens auf Acid oder Shoegaze war. Allerdings: bei allem Hedonismus und „Animal Nitrate“ an einer „Saturday Night“, ein Lad war Brett nie, anders als Liam, Noel und Damon. Dem BritPop komplett abgeschworen haben Suede auf ihren drei ersten Alben nach der Reunion in den Zehnerjahren. Die wirken wie ein Film-Noir-Soundtrack von 5 Elder Statesmen des Brit Rock. Danach entdeckten Suede auf „Autofiction“ den Punk in sich und nun auf „Antidepressants“ Post-Punk. Zu Gast ist wieder Brit-Music-Experte Mike Litt. Das Herz der Clubbing-Legende schlägt auch für britische Gitarrenmusik – und gerade Suede haben sich dort einen festen Platz erspielt, durch unzählige schöne musikalische Momente und Begegnungen mit der Band, von denen Mike uns erzählt. Wie auch Marc Mühlenbrock hörbar angeschlagen mit Disco-Schnupfen, aber voller Tatendrang. Und Brett Anderson kommt natürlich auch zu Wort. Alles in Episode #110Suede.
#109 Queen
Was für ein epochales Vermächtnis Queen hinterlassen haben: 15 Studio-Alben, 10 Live-Alben und 3 Greatest-Hits-Compilations, wo wirklich jeder Hit ein Hit ist. Und wie unterschiedlich diese Hits sind. Die epische Rock-Eskapade „Bohemian Rhapsody“, der perfekte Pop von „A Kind of Magic“, die Stadio-Hymne „We Are the Champions“, Rockabilly like „Crazy Little Thing Called Love“, der Funk in „Another One Bites the Dust“, das Cabaret in „Killer Queen“, der Party-Hit „Don't Stop Me Now“, der perfekte Riff-Rock „Hammer to Fall“ oder ein Requiem wie „The Show Must Go On“. All dies, weil bei Queen vier geniale Musiker – Instrumentalisten, Songschreiber und Arrangeure – am Werk waren, die unterschiedliche Interessen hatten und die Toleranz, die Interessen der anderen zu akzeptieren und in vielen Fällen sogar zu fördern. Und Queen hatten den für viele besten Frontmann aller Zeiten. Freddie Mercury war ein flamboyanter Dandy und sensibler Charakter, ein emotionaler Macho und Held der queeren Szene, ein extrovertierter Opern-Sänger und Rock'n'Roller in schwarzem Leder Outift – und er hatte diese unvergleichliche, kraftvolle und warme Stimme. Man könnte eine ganze Podcast-Reihe über einzelne Alben dieser Band machen, Musik-Journo Kollege Jochen Schliemann und Stereo.Typ Marc Mühlenbrock versuchen das sheer Unmögliche: die Karriere der Band in nur einer Episode, #109Queen, zusammenzufassen. Es geht nicht um Vollständigkeit, sondern um große Momente, Stimmungen und persönliche Erinnerungen – zu denen sich auch Brian May und Roger Taylor äußern.
#108 The xx
The xx haben etwas erschaffen, was nur wenigen anderen Bands gelungen ist: ein eigenes Genre. Und dabei hat ihr besonderer Mix aus Elektronik, Indie, Dream Pop und R'n'B noch nicht mal einen Namen. Auch der Name der Band selbst dürfte den wenigsten bekannt sein, wenn sie zu „Intro“ eine Fußballmannschaft einlaufen sehen oder eine Dokumentation, die mit „Islands“ oder „Crystalised“ unterlegt ist. The xx haben uns den Soundtrack der 10er Jahre geliefert und sind wie ihre Musik doch angenehm zurückhaltend geblieben. Romy Madley-Croft und Oliver Sim haben das Grundgerüst von The xx entworfen, elektronische Musik mit Akustik-Instrumenten zu spielen. Jamie xx hat ihren Sound mit Synthies und Samples erweitert, meisterhaft in „On Hold“ mit dem berühmten Hall&Oates-Sample – einem DER Songs der Zehnerjahre. Darüber hinaus haben alle drei ganz ausgezeichnete Solo-Alben herausgebracht, die neben starken Songs auch Auskunft über ihre musikalische Sozialisation gegeben haben. Über all das spricht in Episode #108Thexx Musikjourno-Kollegin Franziska Niesar, Fan der Band der ersten Stunde und xx-Expertin. Romy, Oli & Jamie kommen natürlich auch selber zu Wort und blicken zurück – auf ihre Songs, auf ihren sie exxtrem überraschenden Erfolg und die Exx-Bandkollegin.
#107 Fleetwood Mac
Es gibt keine Band mit so einer außergewöhnlichen Geschichte wie Fleetwood Mac. Das können wir nach 106 Episoden dieses Podcasts mit Fug und Recht behaupten. Ein persönlichkeitsverändernder LSD-Trip, eine zerschmetterte Gitarren backstage, ein Gitarrist, der sich auf Tour spontan einer Sekte anschließt, eine Affäre mit der Frau eines anderen Bandmitglieds – und das alles, noch bevor sie die Fleetwood Mac wurden, die wir heute kennen. Bevor das Traum-on-off-Paar Lindsey Buckingham und Stevie Nicks dazukam, die ihre eigene Beziehung, bzw. deren Ende, auf dem sagenumwobenen Jahrhundertalbum „Rumours“ verarbeiteten. Genauso wie John und Christine McVie ihre Ehe. Das Album ist ein nicht enden wollender, Kokain-befeuerter Kreativ-Flow an Songs, mit dem sich die Bandmitglieder den Schmerz von der Seele schrieben, sangen und spielten – genau wegen dieser Authentizität und Nahbarkeit ist dieses Album bis heute bei hunderten von Millionen Fans so beliebt. Mal ganz abgesehen davon, dass mit „Dreams“, „Don't Stop“ und „Go Your Own Way“ einige der besten Pop-Kompositionen aller Zeiten drauf sind. Fleetwood Mac erlebten seit einigen Jahren ein verdientes Revival, mit einem Skateboard-Fahrer in a mood, dessen Clip zu „Dreams“ viral ging, und mit dem Bestseller-Buch / der erfolgreichen Serie „Daisy Jones & The Six“, angelehnt an die Geschichte der Band. Dann starb Christine McVie und alles war vorbei. Aber die Legende lebt weiter und der wollen wir uns widmen. Stereo.Ur.Typ Tilmann Köllner ist diesmal wieder dabei, er ist ein großer Fan der Band, vor allem von „Rumours“. Je nachdem in welcher Stimmung man ihn fragt, ist „Dreams“ für ihn der beste Song aller Zeiten – also eigentlich immer. Aus der Band erzählen Mick Fleetwood und die verstorbene Christine McVie von den goldenen Zeiten, die zugleich auch die traurigsten waren. #107FleetwoodMac jetzt überall, wo es Podcasts gibt.
#106 Pulp
„Let's All Meet Up in the Year 2025...“ – Pulp sind wieder da. Mit einer Tour und neuem Album, das schlicht und ergreifend den Titel „More“ trägt. Pulp Impresario Jarvis Cocker ist auch darauf wieder ein meisterhafter Geschichtenerzähler – und hat sich mehr denn je seine eigene Geschichte vorgenommen, genauer gesagt: seine Gefühlswelt. Was denkt und fühlt ein 61-jähriger, alternder, aber ewig junger BritPop Pionier? Worauf blickt er zurück? Das wollen wir uns auch anschauen in #106Pulp. Die Geschichte eines ambitionierten Teenagers mit Popstar-Plänen, die erstmal in einer langen Aneinanderreihung von Misserfolgen und „Mis-Shapes“ mündet – aber nicht endet. 17 Jahre nachdem das Brainchild Pulp geboren wurde, erobern sie mit ihrem epochalem „Different Class“ Platz 1 der britischen Albumcharts. Alle Träume von Jarvis werden wahr – und darauffolgend auch ein paar Albträume, die er auf „This Is Hardcore“ verarbeitet. Das erste lange Kapitel Pulp endet kurz nach dem versöhnlichen „We Love Life“. Auch in ihrer Abwesenheit (unterbrochen durch eine Reunion-Tour) bleiben Pulp Kult. „Do You Remember the First Time...“ als Pulp in Dein Leben gekommen sind? Das und mehr beantwortet der geschätzte Musikjournalisten-Kollege und Clubbing Ikone Mike Litt. Der ist für seine Vorliebe für elektronische Musik und Literatur bekannt, aber auch ein großer Kenner der britischen Musikszene. Spätestens seit den frühen 90er Jahren, als er in Pulps Heimatstadt Sheffield gelebt hat. Was für eine Ehre, ihn diesmal dabei zu haben! #106Pulp jetzt beim Podcast-Händler Eures Vertrauens.